Draußen herrscht zur Zeit klirrende Kälte. Ein Zustand, gegen den ich zwar nichts machen kann, dem ich jedoch trotzdem mit einem Artikel über etwas sehr heißes entgegentreten will. Dem Erdkern.

Konkret soll es um ein hypothetisches Fortbewegungsmittel namens Gravity Train gehen (eine übliche deutsche Übersetzung ist mir nicht bekannt). Dabei handelt es sich um das theoretische Konzept, durch die Erde einen langen Tunnel zu graben. Dann lässt sich ein Wagen durch die Gravitation an einem Ende des Tunnels in diesen hinein beschleunigen. Bis zur Tunnelmitte beschleunigt er und bremst ab dort ebenfalls durch die Gravitation wieder ab, bis er am anderen Ende des Tunnels – die Reibung ignorierend – zum Stillstand kommt.

Es lassen sich über die Mathematik hinter dem Konzept relativ viele Quellen finden. In etwa 42 Minuten ließe sich jeder beliebige Punkt auf der Erde erreichen. Und das unabhängig von der Entfernung, da bei einem geringeren Abstand von Start- und Zielpunkt, da mit sinkendem Abstand auch die Hangabtriebskraft abnimmt. Das Problem dieser Berechnungen ist, dass alle von einer homogenen Erde mit konstanter Dichte ausgehen, was nicht der Fall ist. Die Erde ist im Inneren wesentlich dichter als außen. Den Rest des Beitrags lesen »

So ein Verfassungsschutz ist eigentlich eine tolle Sache. Aber gibt’s das nicht auch in unabhängig? Eine Art Verein, der nicht nur den politischen Gegner observiert, sondern wirklich das Schützen der Verfassung als Anliegen hat. Jemand der nicht nur auf Reden mit verfassungsfeindlichen Inhalten achtet, sondern auch auf verfassungswidrige Gesetzesentwürfe?

Es mag durchaus sein, dass ich da einiges zu stark vereinfache, aber ich verstehe es trotzdem nicht: Wenn Mitglieder einer Partei A einer Partei B Verfassungsfeindlichkeit vorwerfen, wieso stört sich keiner daran, dass das Bundesverfassungsgericht regelmäßig Gesetze kassiert, die unter Mitwirkung von Mitgliedern aus Partei A entstanden sind und von diesen verabschiedet wurden?

Ich bin begeisterter Brettspiele-Fan. Das heißt nicht unbedingt etwas, weil ich nicht unbedingt viele verschiedene gespielt habe. Ein relativ unterhaltsames Brettspiel ist in meinen Augen aber „Scotland Yard“. Für jemanden, der das Spiel noch nicht kennt, dürfte eigentlich auch der Rest des Textes hier uninteressant sein. Ich fasse trotzdem zusammen, dass es um einen flüchtigen Verbrecher „Mr. X“ geht, der durch die Stadt London unterwegs ist. Mehrere Detektive haben den Auftrag, diesen zu fassen. Grundlage des Spiels ist es, dass die Detektive nur im Besonderen – d. h. nach einer bestimmten Anzahl von Zügen – die Position der Zielperson erfahren. Dazwischen haben sie nur Kenntnis von den Verkehrsmitteln, welche dieser verwendet.

Scotland Yard SpielplanScotland Yard Spielplan – Bild von Wikimedia-Commons-User Peng unter CC-BY-SA

Einer der Mitspieler brachte beim letzten Spielabend mehrere Male Vorschläge zu den möglichen Aufenthaltsorten von Mr. X. Mir kam dabei der Gedanke, dass man das doch genauer sagen können sollte. Ich machte mich also daran, den Spielplan in den Computer einzupflegen, was übrigens eine sehr aufwändige Tätigkeit ist.

Das eigentliche Ziel, den Standort von Mr. X einzugrenzen, ließ sich mit der Liste der Verbindungen relativ zügig lösen, verlor aber dann schnell an Reiz. Das liegt zum Großteil daran, dass man während eines Brettspiels nicht Computer verwenden sollte. Zudem ist der Schritt von „wissen, wo der Gegner ist“ zu „den Gegner erreichen“ nicht trivial. Ohne den Aufwand, die komplette Zugfolge für die Detektive zu planen, hält sich der Spielvorteil in Grenzen. Ich war deshalb so frei, und habe mir zum Spaß den Stadtplan selbst genauer unter die Lupe genommen. Hier sind ein paar der Ergebnisse, von denen die meisten wohl kaum von Belang für das Spiel sein dürften. Den Rest des Beitrags lesen »

Jack: Well, really, Gwendolen, I must say that I think there are lots of other much nicer names. I think Jack, for instance, a charming name.

Gwendolen: Jack?… No, there is very little music in the name Jack, if any at all, indeed. It does not thrill. It produces absolutely no vibrations… I have known several Jacks, and they all, without exception, were more than usually plain. Besides, Jack is a notorious domesticity for John! And I pity any woman who is married to a man called John. She would probably never be allowed to know the entrancing pleasure of a single moment’s solitude. The only really safe name is Ernest.

Ich finde, John ist gar kein so schlechter Name…

…diese Zahl gibt bei der momentanen Zusammensetzung des Bundestags die Anzahl der Abgeordneten an, die erforderlich sein sollen, um eine Mehrheitsentscheidung herbeizuführen. Bei 620 Abgeordneten macht das etwas unter 27%. Ich nenne die Zahl Pofalla-Konstante und sie kann jeder Bundestagszusammensetzung zugeordnet werden.

Im Zusammenhang mit Wolfgang Bosbachs Ablehnung der EFSF-Reform soll Ronald Pofalla Bosbach beschimpft haben. Seiner Überzeugung nach – und damit ist er nicht der erste – soll ein Abgeordneter bei einer Abstimmung die Meinung der Fraktionsmehrheit vertreten. Diese beeinflussen zu versuchen, stünde ihm wohl vorher frei. Im Parlament habe die Fraktion aber geschlossen zu agieren.

Das führt zur vielleicht kurios erscheinenden Möglichkeit, dass ein Gesetz beschlossen werden könnte, welches nur von einem sehr kleinen Teil des Bundestags gewünscht wird. Jede zwischen den Bürger und eine Parlamentsentscheidung geschaltete Wahl fügt ein Zwischenergebnis hinzu, welches sozusagen als Rundungsfehler bewertet werden kann. Stimmen jeweils mehr als 50% der an der Regierungskoalition beteiligten Fraktionen für einen Antrag und verpflichten sich die Fraktionen zum geschlossenen Abstimmen, so reichen ungefähr ein Viertel der Abgeordneten aus, um die Mehrheit des Parlaments zu definieren.

Definieren jeweils mehr als 50% der Abgeordneten die Fraktionsmeinung, können die Regierungsfraktionen anschließend die Bundestagsmeinung definieren. Von links nach rechts: CDU/CSU, FDP, SPD, Linke, Grüne. Die grauen Linien horizontal und vertikal liegen bei 50% der Fraktionen bzw. des Parlaments.

Ich gestehe ein, dass das ein Extremfall wäre. so unpopulärer Antrag wird es vermutlich niemals zum Beschluss schaffen. Die Äußerungen Pofallas richtet sich aber auch an die unkritischen Fälle mit nur 15 Gegenstimmen in der Koalition. Auf mich wirkt es so, als ob das Parlament als Plattform zur Diskussion umso unwichtiger wird, je stärker die Parteien versuchen, sich zu profilieren.

Die Kritik an der Fraktionsdisziplin in der Art, dass keine Gewissensentscheidungen mehr gewährleistet seien, halte ich übrigens für absolut ungerechtfertigt. In einer Sache entgegen der eigenen Überzeugung zu entscheiden erscheint auf den ersten Blick als mit dem Gewissen unvereinbar. Aber auch ein Politiker, welcher im Sinn seiner Partei abstimmt um langfristig seine Absichten besser umsetzen zu können, handelt ja sehr wohl entsprechend seinem Gewissen.

Douglas Adams, Autor der äußerst erfolgreichen Romanreihe „Per Anhalter durch die Galaxis“, hat seine Zeit nicht nur dem Schreiben von Romanen gewidmet. Die BBC hat sich gedacht, er wäre der ideale Mann, einen Dokumentarbeitrag über einen seltenen Lemuren zu erstellen. Das Projekt verlief so erfolgreich, dass Adams und sein Begleiter, der Zoologe Mark Carwardine, entschlossen, das Projekt auszuweiten. Nach und nach reisten sie die halbe Welt ab, um über vom Aussterben bedrohte Tierarten zu berichten. Es entstand dabei ein mehrteiliges Radiofeature und ein Buch (engl. Last Chance To See, dt. Die Letzten ihrer Art), welches ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Die University of California, Santa Barbara hat ihn eingeladen, einen Vortrag zu halten, in dem Adams einiges über seine Ausflüge erzählt:


Das Video stammt von der Universität und steht unter der Creative Commons By-NC-ND-Lizenz 3.0.

Soweit dazu. Einige Jahre später kam schließlich jemand auf die tolle Idee, eine Art Update zu Situation der ursprünglich vorgestellten Tierarten zu machen. Adams Beteiligung schied seines Todes wegen aus. Begleitet wurde Carwardine beim Remake vom nicht weniger charismatischen Stephen Fry. Und jetzt komme ich zum Punkt: Die Dokumentation mit Carwardine und Fry wird jetzt nach und nach von Arte ausgestrahlt und ist dann (jeweils nach der Ausstrahlung einer Episode im Fernsehen) auch online auf der Arte-Homepage zu sehen. Bislang trifft das auf die Episoden eins und zwei zu. Der Zugriff ist zeitlich begrenzt. Man sollte also nicht zu lange warten.

Mich macht jetzt stutzig, dass die Episoden nur knapp 45 Minuten dauern (verglichen mit einer Stunde im Original) und es sich bei Arte um fünf Teile statt sechs Teile handelt. Die am Anfang des ersten Teils erwähnte Verletzung stammt aus der Rundschwanzseekuh-Folge, aus der wohl bei uns nichts wird. Aber 5 mal 45 Minuten beeindruckende Bilder sind auf jeden Fall besser als gar nichts.

Danke an Ronny vom Kraftfuttermischwerk für den Hinweis.

In jüngeren Jahren war ich – und wäre ich heute wohl sofort wieder, würde man mir wieder einen Bausatz vorlegen – ein großer LEGO-Fan. Der Bastelspaß wurde nur durch den hohen Preis des Sortiments beschränkt. Dieses Problem dürfte nun beseitigt sein.

Das Spiel mit den höchsten Spaß-Preis-Quotienten, das ich kenne heißt Minecraft, ist noch nicht ganz fertig und schafft trotzdem endlich Abhilfe. Sie lässt einen Dinge bauen, für die mir als Kind nie die Steine gereicht hätten. Die zwei wichtigsten Folgen sind, dass nun unter anderem ein Eiffelturm vor meinem Haus steht und der Unread-Zähler im Reader in die Höhe schießt.

Eiffelturm, errichtet in Minecraft

Und ich gebe keine Garantie darauf, dass das der letzte Eiffelturm im Blog ist.

Ich bin ein großer Fan der amerikanischen Gerichtsserie Boston Legal. Insbesondere die Figur des Alan Shore gefällt mir. Deren Schlagfertigkeit und Rhetorik stellen Shore nicht selten als Ass im Ärmel in einer ausweglos erscheinenden Situation dar. In einer der mir liebsten Szenen (aus S01E14 für Nachguckwillige) wird Shore angeklagt, mehrere Personen durch Bestechung zu einer Schlägerei angestiftet zu haben. Einer der Angestifteten wird von der Staatsanwaltschaft als Zeuge aufgerufen und bestätigt damit die Anschuldigungen. Shore fragt daraufhin im Kreuzverhör, ob der Mann nicht auch ohne die finanzielle Überzeugungshilfe der Schlägerei beigetreten wäre, um seine Freunde zu unterstützen. Als dieser das bejaht, erkundigt sich Shore, ob sich der Mann denn nun überhaupt als Zeuge der Anklage, oder doch nicht als Zeuge der Verteidigung betrachte. Eine Szene, deren Wirkung in Bewegtbildern meine bescheidene Zusammenfassung bei Weitem übertrifft. Den Rest des Beitrags lesen »

Lieber Versicherungskonzern,
ich weiß um deine Bestrebungen, die Auszahlungen an Mitversicherte zu senken. Damit habe ich prinzipiell kein Problem. Angesichts der wohl zahlreichen Betrüger, die auf illegale Weise versuchen, sich Geld von dir zu beschaffen habe ich Verständnis für die Notwendigkeit. Jedoch möchte ich mit diesem Brief ein paar potentielle Missverständnisse klären.

Ich gehöre keiner Religion an, die das Nachgehen bestimmter Tätigkeiten, den Konsum bestimmter Lebensmittel, das Tragen bestimmter Kleidung oder ähnliches ausschließen. Allerdings bitte ich dich, ein Urteil über mich nicht mittels eines Buches zu fällen, welches ich gelesen habe. Oder von welchem du ausgehst, dass ich es gelesen habe. Oder von dem du ausgehst, dass ich es gelesen haben sollte. Für den Fall, dass je geäußert hätte ein solches Buch im Allgemeinen toll zu finden, bitte ich dich, mir deshalb nicht zu unterstellen, ich nähme jede einzelne Passage daraus für bare Münze. Insbesondere behalte ich mir das Recht vor, von bestimmten antiken Verhaltensaspekten abzuweichen, obgleich dies aus freier Entscheidung geschieht oder aufgrund des von umfangreichen Teilen der Gesellschaft geforderten Beitrags zur Integration. Ich würde es begrüßen, wenn solches Verhalten anerkannt und nicht durch deine Vorurteile konterkariert würde.

Unter einer „Betrachtung im Einzelfall“ verstehe ich die Anerkennung der tatsächlichen Gegebenheiten bei einem Ereignis. Sollte sich deine Auffassung davon unterscheiden – etwa in der Art, als dass für jeden Fall eine geeignete Begründung der Zahlungsverweigerung aus den unterstellten Vorurteilen gesucht wird – so bitte ich dich, mir dies frühzeitig mitzuteilen.

Weiterhin möchte ich dir mitteilen, dass ich es für möglich halte, begangenes Fehlverhalten und diskriminierende Äußerungen zu entschuldigen. Als Voraussetzung hierfür sehe ich allerdings deine Distanzierung von solchen Äußerungen deiner Mitarbeiter. „Heikle Themen“, sofern es sich im Einzelfall überhaupt um ein solches handelt, mögen vielleicht dafür sorgen, dass häufiger Fehler entstehen können. Sie berechtigen jedoch meiner Meinung nach nicht, diese Fehler unbehandelt zu lassen.

Soweit sich deine Ansicht zu den oben genannten Punkten von meiner unterscheidet, sehe ich leider keine Möglichkeit für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Hochachtungsvoll
Johann

Vor einiger Zeit stellte Randall Munroe im xkcd-Comic „Height“ das beobachtbare Universum in einem halblogarithmischen Koordinatensystem dar. Der MouseOver-Text hat mich dazu genötigt, folgendes Bild anzufertigen.

Dank geht an Anirudh Koul, der das ursprünglich verwendete Foto unter einer Creative Commons By-NC-Lizenz veröffentlichte.

Was die Bildgestaltung betrifft, sehe ich hier noch Optimierungsbedarf. Das mit den geraden Linien kommt aber meiner Meinung nach schon mal recht gut herüber.

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