Ganz knapp

Ja, ich weiß, dass das jetzt wohl keiner mehr hören will, aber mir gefällt das einfach zu sehr, als dass ich mir einen Kommentar dazu verkneifen könnte. Und vielleicht habt ihr ja den selben Humor wie ich und das wird auch für euch das intensivste Gelächter seit einer Woche.

Wisst ihr noch? Damals am 27. September? Unstrittig ist wohl, dass wohl jede Partei von sich behauptet, Gewinner zu sein. In der Regierung, am meisten absolut hinzugewonnen, am meisten relativ hinzugewonnen, nicht so viel verloren wie erwartet, …das ganze Spektrum eben. Aber einen gibt es, den hat es doch recht hart getroffen. Ich verleihe ihm das Prädikat „Verlierer der Bundestagswahl 2009“. Der Preis geht an Axel Berg.

Herr Berg kandidierte für die bayerische SPD. Uninformierte können jetzt vermuten, dass Herr Berg in den Bundestag einzieht. Das ist so nicht ganz korrekt. Herr Berg ist nämlich momentan Bundestagsabgeordneter. Er zieht also aus, was aber noch nicht so spektakulär ist. Mir macht es ja Spaß, was-wäre-wenn-Spiele zu veranstalten und Hypothesen durchzuprobieren. Hier sind also die Möglichkeiten, die Herr Berg gehabt hätte, weiterhin im Bundestag zu bleiben:

  1. Berg war Direktkandidat im Wahlkreis München-Nord. Dort erreichte er 55.691 Erststimmen. Ein tolles Ergebnis für einen SPD-Mann in so einem schwarzgeprägten Loch. Sein Kompagnon schaffte allerdings 1.470 Stimmen mehr. Anders ausgedrückt: Hätte er 1.471 Stimmen mehr gesammelt, könnte er in Berlin bleiben.
  2. Gleichzeitig war er auf Platz 17 der Landesliste. Die bayerische SPD entsendet allerdings nur die ersten 16 davon nach Berlin. Für 594 Zweitstimmen mehr zu den 1.120.018 in Bayern abgegebenen fiele #17 an und Berg könnte in Berlin bleiben.
  3. Der letzte kommt jetzt nicht ganz so lustig, wie ich mir das vorher vorgestellt hab, da sich von den vorläufigen zu den endgültigen Ergebnissen leider einige Stimmenanteile verschoben haben, aber hier trotzdem: Hätte Axel Berg in Bremen angerufen, die sollten da mit dem Wahlkampf einen Tag eher aufhören und sich von dem Geld stattdessen alle ein Eis kaufen, wäre die SPD in Bremen vielleicht auf mindestens 600 – hier unter Umständen die dramaturgische Steigerung auf unter 300 denken, die es in den vorläufigen Ergebnissen waren – Zweitstimmen weniger gekommen. Diese 600 Stimmen weniger in Bremen hätten dazu geführt, dass sozusagen als sitzbekommendes Land nicht Bremen sondern Bayern an die Reihe kommt, also einen Sitz mehr erhält: Den von Herrn Berg. Bremen widerrum hätte daraus keinen Schaden, weil es ihre (momentan zwei) Proporz-SPD-Mandate über Direktmandate erhält. Bei weniger Stimmen fiele nur noch ein Proporz-Mandat an, aber es bliebe immer noch bei den zwei Direktmandaten. Man spricht von negativem Stimmgewicht.

Für mich ist das so erheiternd, dass bei ca. 40 Millionen Wählern (für die zukünftig im Bundestag vertretenen Parteien) auf 622 Sitze im Schnitt mehr als 65.000 Stimmen auf einen Abgeordneten fallen. Herr Berg hat es auf hat es geschafft, auf zwei verschiedene Weisen – Methode 1 hat mit den Methoden 2 und 3 nichts zu tun – die Wiederwahl zu verfehlen. Und das mit Stimmenzahlen, die nur extrem klein gegenüber dieser theoretischen Grenze sind.

Und nur um das klarzustellen: Ich hege keinen persönlichen Groll gegen Herrn Berg. Seine bisherigen politischen Handlungen (außer die ablehnende Abstimmung im Bundestag, die eine Wahlrechtsreform erreichen wollte, mit dem Ziel, negatives Stimmgewicht zu verhindern) haben absolut keinen Einfluss auf diesen Text.

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