Dieser Text ist unwichtig.

Seit einiger Zeit tobt in der – oder eher um die deutschsprachige Wikipedia eine Relevanzdiskussion. Inkludisten und Exkludisten bilden zwei Lager, die sich anscheinend stärker bekriegen als Jedi und Sith.

„Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder Mensch freien Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit hat. Das ist unser Ziel.“

Jimmy Wales, Wikipedia-Mitgründer

Nun ja. Dank Löschfanatismus wird das wohl erstmal nichts mit dem gesamten Wissen. Eigentlich ist es ja traurig, dass es trotz der Tatsache, dass es so etwas wie Platzmangel in der Wikipedia nicht gibt, so absurde Relevanzkriterien wie hier zu erfüllen gilt. Ich selbst neige zur Aussage, dass man über die Löschkandidaten sogar mehr Wissen hinzugewinnen kann als über einen Besuch eines zufälligen Artikels.  Hin und wieder spielen sich aber auch sehr lustige Dinge ab.

Die deutschsprachige Wikipedia hat in den vergangenen Tagen den einmillionsten Artikel erhalten. Wie es zu erwarten war, wurde sofort groß darauf aufmerksam gemacht. Dumm ist jetzt nur, dass das Lemma von einigen als nicht relevant erachtet wird und deshalb promt ein Löschantrag gestellt wurde. Der Artikel selbst erhält also Publicity aus zweierlei Seiten. Er wird als millionster Artikel gelesen und ist gleichzeitig Subjekt einer Art Rettungsaktion in der Löschdiskussion.

Vor einiger Zeit ist ja bereits auf das Paradoxon aufmerksam gemacht worden, dass es einen relevantesten irrelevanten Artikel geben dürfte, der ja der Irrelevanz wegen nicht in der Wikipedia aufgeführt wird, aber gerade wegen dieser Eigenschaft einen Artikel verdiene. Das ganze ist eine Anspielung auf das Interesting Number Paradoxon. Natürlich nur echt in der englischsprachigen Wikipedia. Nachzulesen ist das Ganze bei Michael Nielsen. In den Kommentaren dort wurde darüber diskutiert, ob der Eigenschaft Relevanz nicht die Wohlordnung fehle. Aber auch ohne Wohlordnung gibt es einige meiner Meinung nach lustige Szenarien.

Eine kleine Kostprobe: Entsprechend dem Milhouse is not a meme-Mem erzeugt der einmillionste Artikel und die Diskussion über die Löschdiskussion so viel Aufsehen, dass in relevanten Medien darüber berichtet wird – oder was auch sonst erforderlich ist. Jedenfalls wird damit der Sachverhalt der Diskussion eigentlich relevant und verdient eine Aufnahme in die Enzyklopädie. An der Relevanz des eigentlichen Lemmas hat sich aber natürlich nichts geändert und so wird der Artikel wie ursprünglich vorgesehen gelöscht. Der Der millionste Artikel ist nicht relevant-Artikel.

Übrigens taucht in dem Artikel hier kein Link auf den Namen des millionsten Artikels auf. Das mache ich nicht deshalb, weil der nicht relevant ist, sondern weil der unter Umständen wegen Irrelevanz gelöscht wird und von einem anderen Artikel ersetzt wird, mit dem sich das selbe Spiel wiederholt. Der Text gilt somit unverändert für den Nachfolger. Schick, ne?

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