random stuff about „Scotland Yard“

Ich bin begeisterter Brettspiele-Fan. Das heißt nicht unbedingt etwas, weil ich nicht unbedingt viele verschiedene gespielt habe. Ein relativ unterhaltsames Brettspiel ist in meinen Augen aber „Scotland Yard“. Für jemanden, der das Spiel noch nicht kennt, dürfte eigentlich auch der Rest des Textes hier uninteressant sein. Ich fasse trotzdem zusammen, dass es um einen flüchtigen Verbrecher „Mr. X“ geht, der durch die Stadt London unterwegs ist. Mehrere Detektive haben den Auftrag, diesen zu fassen. Grundlage des Spiels ist es, dass die Detektive nur im Besonderen – d. h. nach einer bestimmten Anzahl von Zügen – die Position der Zielperson erfahren. Dazwischen haben sie nur Kenntnis von den Verkehrsmitteln, welche dieser verwendet.

Scotland Yard SpielplanScotland Yard Spielplan – Bild von Wikimedia-Commons-User Peng unter CC-BY-SA

Einer der Mitspieler brachte beim letzten Spielabend mehrere Male Vorschläge zu den möglichen Aufenthaltsorten von Mr. X. Mir kam dabei der Gedanke, dass man das doch genauer sagen können sollte. Ich machte mich also daran, den Spielplan in den Computer einzupflegen, was übrigens eine sehr aufwändige Tätigkeit ist.

Das eigentliche Ziel, den Standort von Mr. X einzugrenzen, ließ sich mit der Liste der Verbindungen relativ zügig lösen, verlor aber dann schnell an Reiz. Das liegt zum Großteil daran, dass man während eines Brettspiels nicht Computer verwenden sollte. Zudem ist der Schritt von „wissen, wo der Gegner ist“ zu „den Gegner erreichen“ nicht trivial. Ohne den Aufwand, die komplette Zugfolge für die Detektive zu planen, hält sich der Spielvorteil in Grenzen. Ich war deshalb so frei, und habe mir zum Spaß den Stadtplan selbst genauer unter die Lupe genommen. Hier sind ein paar der Ergebnisse, von denen die meisten wohl kaum von Belang für das Spiel sein dürften.

Der Stadtplan besteht aus 199 Stationen. Davon sind zwei zufällig ausgewählte Stationen im Schnitt 8,3 Taxifahrten auseinander, zwei zufällig ausgewählte Bushaltestellen 5,1 Busfahrten und zwei zufällig ausgewählten U-Bahn-Stationen durchschnittlich 2,4 U-Bahn-Fahrten. Für die Detektive sind zwei zufällig ausgewählte Stationen im Schnitt 4,74 Hops entfernt. Mr. X hat zusätzlich zu den Verkehrsmitteln Taxi, Bus und U-Bahn noch Fahrten mit der Fähre im Repertoire. Dadurch verringert sich der mittlere Abstand aller Stationen für ihn auf 4,71. Der maximale Abstand zweier Stationen – sozusagen der Durchmesser des Stadtplangraphen – beträgt 10. Der Stadtplan ist nicht eulersch – soweit man das hier so nennen kann, da sich die Verkehrsmittel die Straßen ja teilen. Ob er hamiltonisch ist, konnte ich nicht herausfinden. Das Bus- und U-Bahn-Netz sind es jedenfalls nicht. Man könnte jedoch einen Hamiltonpfad in beiden finden, wenn man Station 74 außer Betrieb nähme.

Sechs Kombinationen aus Bushaltestellen sind via Taxi schneller zurückzulegen als mit dem Bus. Eine ist 55–72, der Rest basiert auf der Taxi-Route durch den Hyde Park im Westen. Analog gilt für zwei U-Bahn-Stationen, dass nur 74–93 schneller mit Taxi oder Bus zurückgelegt werden kann als mit der U-Bahn.

Bestimmte Zugfolgen sind für Mr. X suboptimal und sollten nur in Ausnahmen verwendet werden, da sie die möglichen Aufenthaltsorte eher einschränken als erhöhen. U-Bahn–Bus–U-Bahn etwa ist eine Zugfolge, die nur in Umgebung von 1–46 möglich ist, da es die einzigen U-Bahn-Stationen sind, die nur einen Bus-Stop auseinander liegen. U-Bahn–Taxi–Taxi–U-Bahn verrät zwar verglichen damit relativ wenig. Aber abgesehen von 74–92–93 und 140–154–153 (die einzigen Stationen, die nur zwei Taxi-Fahrten auseinander liegen) gibt es keine Möglichkeit, diese Folge zu ziehen, ohne eine U-Bahn-Station zweimal zu passieren. Damit erlaubt die Folge nur unter Zuhilfenahme der beiden genannten Verbindungen mehr Auswahl als die direkte Folge von zwei U-Bahn-Fahrten.

Eine Station hat für den Flüchtigen im Schnitt 4,4 Fluchtwege (und die Detektive der Fähren wegen nur 4,3 Verfolgungswege). Für U-Bahn-Stationen kommt man auf 8,4 Pfade. Als Strategiehilfe für Spieler wird deshalb manchmal vorgeschlagen, dass sich Mr. X beim Aufdecken idealerweise auf einem U-Bahn-Feld aufhalten soll, damit er möglichst viele Ausweichmöglichkeiten hat. Dummerweise ist das eine Strategie, die auch die Detektive kennen. Jetzt könnte man nach unten iterieren. Gesucht sind Stationen, die so gut angebunden sind, dass man von ihnen verschwinden kann, aber wiederum nicht so gut, als dass ein U-Bahn-fahrender Detektiv den Täter schnappt: Die Felder 15, 22, 29, 41, 72, 77, 86, 107, 108, 114, 115, 116, 123, 127 und 165 sind alle Stationen mit sechs oder mehr Fluchtwegen, welche keine U-Bahnhöfe sind und auch nicht unmittelbar von solchen erreichbar sind. Ideale Kandidaten, um sich als Mr. X dort kurz zu zeigen – wenn denn die Polizei nicht auch Wind von den Fleckchen bekommt…

Disclaimer: Alle Angaben beruhen unter anderem auf der Annahme, ich hätte den Stadtplan korrekt übernommen. Dafür übernehme ich keine Gewähr.

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2 Gedanken zu „random stuff about „Scotland Yard“

  1. Hallo Johann, Du schreibst, dass der Spielplan 199 Stationen hat. Unser Spielplan aus dem Jahr 1983 hat die Stationen 1 bis 200, wobei die 108 merkwürdigerweise nicht auffindbar ist. Diese Station ist aber in deiner Liste von Stationen mit 6 oder mehr Fluchtwegen aufgeführt. Wie ist Dein Spielplan ausgeführt?
    Roland

  2. Hallo.

    Ich kann leider nicht sagen, von wann der Spielplan stammt, da ich die Werte von einem bereits gelöschten Foto des Spiels eines Bekannten übernommen habe. Ich schätze das Exemplar vom Zustand her jedoch auf ein Herstellungsjahr nach 2000 ein.

    Da wir offensichtlich verschiedene Pläne spielen, spielt die Erreichbarkeit der 108 für dich vermutlich keine große Rolle mehr. Die Anordnung der Stationen kannst du aber hier vergleichen:

    Scotland-Yard-Taxiplan

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